Während viele Unternehmen derzeit auf generative KI setzen, verfolgt Bayshore einen anderen Ansatz. Das Münchner Startup kombiniert große Sprachmodelle mit deterministischen Regelwerken, die direkt aus Gesetzen, Richtlinien und Compliance-Vorgaben abgeleitet werden. Dadurch sollen KI-Agenten nicht nur juristische Aufgaben unterstützen, sondern auch die für regulierte Branchen notwendige Nachvollziehbarkeit und Auditierbarkeit gewährleisten.
Die technologische Grundlage entstand aus Forschungsarbeiten von Mitgründer Paul F. Welter an der Stanford University. Im Fokus stand die Frage, wie sich juristische Dokumente in maschinenlesbare Logik überführen lassen, um rechtliche Entscheidungen konsistent und reproduzierbar abzubilden.
Nach Angaben des Unternehmens nutzen bereits mehrere Global-2000-Unternehmen die Plattform, um Rechts- und Compliance-Prozesse zu automatisieren.
Compliance-Kosten und regulatorische Komplexität als Milliardenmarkt
Regulatorische Anforderungen nehmen weltweit kontinuierlich zu. Unternehmen sehen sich mit einer wachsenden Zahl von Gesetzen, internen Richtlinien und branchenspezifischen Vorgaben konfrontiert. Gleichzeitig steigt der Aufwand für deren Umsetzung und Dokumentation.
Bayshore adressiert genau diese Herausforderung. Die Plattform fungiert als zentrale Anlaufstelle für Compliance- und Rechtsfragen innerhalb von Unternehmen. Operative Geschäftsbereiche können Anfragen direkt stellen und erhalten automatisiert eine Einschätzung der regulatorischen Anforderungen.
KI-Agenten bearbeiten eigenständig risikoarme Fälle, während sich menschliche ExpertInnen um komplexere Vorgänge kümmern. Dabei erfolgt bereits eine umfassende Voranalyse, wodurch sich Bearbeitungszeiten deutlich verkürzen sollen.
Paul F. Welter, Chief Legal Engineering Officer von Bayshore, erklärt:
„LLMs haben eindrucksvoll gezeigt, dass sie juristische Arbeit unterstützen können. Ihre probabilistische Natur liefert jedoch nicht die Genauigkeit und Konsistenz, die komplexe Arbeit in Rechts- und Complianceabteilungen erfordern. Jede Prüfung verlangt vollständige Auditierbarkeit. Wir erreichen das durch Juristen, die rechtliche Regelwerke in deterministische, maschinenlesbare Leitplanken übersetzen.“
Von Excel-Tabellen und E-Mails zu automatisierten Freigabeprozessen
Zahlreiche Genehmigungs- und Prüfprozesse in Unternehmen laufen weiterhin weitestgehend manuell. Dazu zählen beispielsweise Einladungen von Geschäftspartnern, die Prüfung neuer Vertriebspartner oder regulatorische Freigaben bei Banken und Finanzinstituten.
Philipp Wiegand, Chief Executive Officer von Bayshore, beschreibt die Problematik:
„Diese Prozesse laufen meist noch immer über PDF-Formulare, Excel-Tabellen und verstreute E-Mail-Verläufe. Das erzeugt konstante Unsicherheit und verlangsamt den Geschäftsbetrieb stark.“
Durch die Automatisierung wiederkehrender Prüfungen sollen Compliance-Abteilungen entlastet werden. Gleichzeitig sollen operative Teams schneller Entscheidungen treffen können, ohne regulatorische Risiken einzugehen.
Earlybird setzt auf regulatorische Technologie als Wachstumstreiber
Die aktuelle Seed-Runde wird von Earlybird Venture Capital angeführt. Daneben beteiligen sich Lucid Capital, Booom, Heliad sowie strategische Angels.
Für Earlybird ist insbesondere der globale Markt für Compliance-Lösungen ein entscheidender Investmentfaktor. Unternehmen weltweit geben erhebliche Summen für regulatorische Anforderungen aus, während gleichzeitig der Druck steigt, Prozesse effizienter zu gestalten.
Der General Partner bei Earlybird Venture Capital Paul Klemm sagt:
„Wir haben in Bayshore investiert, weil wir überzeugt sind, dass das Team den zuverlässigsten und ganzheitlichsten Ansatz entwickelt hat, um dieses Problem zu lösen.“
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