Weltweit steigt die Zahl der Adipositas-Fälle immer mehr an. Häufig sind Operationen oder Dauermedikation die einzige Behandlungsmethode. Genau hier setzt das Münchner Medtech-Startup Sedivention an. Im Zentrum der Technologie steht ein Kryo-Ballonkatheter. Mit einfachen Worten zielt die Technologie also darauf ab, das Hungergefühl durch eine gezielte Kältebehandlung der Magenäste des Vagusnervs dauerhaft zu reduzieren.
Der Vorteil an dieser Methode ist, dass die PatientInnen risikobehaftete Maßnahmen wie Operationen, Implantate oder eine zwingend dauerhafte Einnahme von Medikamenten umgehen. Dahinter steckt ein Milliardenmarkt, der angesichts global steigender Adipositas-Raten zunehmend unter wirtschaftlichem und medizinischem Druck steht.
Kryoablation statt bariatrischer Chirurgie
Der besondere Ansatz von Sedivention liegt in der Kombination aus minimalinvasivem Eingriff und langfristiger Wirkung. Während etablierte Verfahren wie bariatrische Operationen invasiv sind und Medikamente häufig dauerhaft eingenommen werden müssen, setzt das Unternehmen auf eine einmalige interventionelle Behandlung.
Die Technologie basiert auf einem speziell entwickelten Kryo-Ballonkatheter, der ähnlich wie bei einer Gastroskopie eingesetzt wird. Durch eine gezielte Kältetherapie und Vereisung, auch Kryoablation genannt, sollen die hungerrelevanten Magenäste des Vagusnervs unterbrochen werden. Ziel ist es, die gestörte Hunger- und Sättigungsregulation direkt zu adressieren und das Hungergefühl nachhaltig zu reduzieren.
„Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die medizinisch wirksame, aber zugleich schonende Therapien erfordert“,
sagt Dr. med. Ute Nollert, Gründerin und Chief Medical Officer von Sedivention und führt weiter aus:
„Unser Ansatz adressiert die zugrundeliegende Störung der Hunger- und Sättigungsregulation direkt und ermöglicht eine nachhaltige Reduktion des Hungergefühls – ohne Operation, ohne Implantate und ohne lebenslange Medikation.“
Adipositas als globaler Milliardenmarkt
Nach Angaben der World Obesity Federation könnten im Jahr 2030 weltweit mehr als eine Milliarde Menschen von Adipositas betroffen sein. Gleichzeitig werden die gesundheitsökonomischen Folgekosten auf bis zu 3,4 Billionen Euro jährlich geschätzt.
Sedivention positioniert sich damit in einem Markt, der derzeit stark von GLP-1-Medikamenten wie Ozempic oder Wegovy geprägt wird. Diese Therapien gelten zwar als wirksam, sind jedoch kostenintensiv und häufig auf eine langfristige Anwendung ausgelegt.
Sedivention verfolgt dagegen einen interventionellen Medtech-Ansatz mit einmaliger Behandlung. Laut CEO und Mitgründer Dr.-Ing. Andreas Bröcker wurde die Technologie von Beginn an auf internationale Skalierung ausgelegt:
„Wir entwickeln eine proprietäre Medtech-Lösung mit dem Potenzial, einen globalen Milliardenmarkt durch eine skalierbare, ambulante Behandlung neu zu definieren.“
Seed-Runde finanziert Produktabschluss und klinische Entwicklung
Die Seed-Finanzierung wird von bmp Ventures mit den IBG Fonds angeführt. Darüber hinaus beteiligen sich der High-Tech Gründerfonds (HTGF), Cambridge Ventures, superangels sowie der strategische Investmentarm eines globalen Medtech-Unternehmens.
Mit der Seed‑Finanzierung plant Sedivention, die Produktentwicklung abzuschließen sowie die First‑in‑Human‑Studie durchzuführen und die weiteren klinischen sowie regulatorischen Schritte vorzubereiten. Ein funktionsfähiger Prototyp wurde laut Unternehmen bereits erfolgreich entwickelt und getestet.
„Sedivention verbindet medizinische Evidenz mit einem klar skalierbaren und kosteneffizienten Medtech-Ansatz“,
sagt Jan Engels, Senior Investment Manager beim HTGF.
Auch bmp Ventures sieht erhebliches Marktpotenzial.
„Sedivention entwickelt eine innovative und überzeugende Medtech-Technologie, um die Adipositas-Therapie nachhaltig neu zu definieren“,
sagt Investment Manager Carlos Figueredo.
Ambulante Verfahren sollen invasive Eingriffe ersetzen
Langfristig will Sedivention hochinvasive operative Eingriffe durch ambulant durchführbare interventionelle Verfahren ersetzen. Damit adressiert das Unternehmen nicht nur medizinische Versorgungslücken, sondern auch die Skalierbarkeit von Adipositas-Behandlungen in Gesundheitssystemen mit begrenzten Ressourcen.
Die kommenden klinischen Studien werden entscheidend dafür sein, ob der Ansatz die erhoffte langfristige Wirkung tatsächlich nachweisen kann. Gelingt dies, könnte Sedivention von der wachsenden Nachfrage nach alternativen Adipositas-Therapien erheblich profitieren.
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