Paul Lechlin (l.) und Peter van Woerkum (r.) sind die Gründer von Regulate
Foto: Regulate

Personio-Gründer investieren in Münchner Startup Regulate

Das Münchner Startup Regulate hat eine Seed-Finanzierungsrunde über 1,4 Millionen Euro abgeschlossen. Zu den Investoren zählen neben dem niederländischen Impact-Fonds 4impact.vc auch bekannte GründerInnen aus der deutschen Startup-Szene, darunter Personio-CEO Hanno Renner und Forto-Mitgründer Mike Wax.

Regulate entwickelt wissenschaftlich fundierte Atemübungen („Breathwork“) als Performance-Tool für Unternehmen und positioniert sich damit an der Schnittstelle von HR-Tech, Mental Health und Produktivitätssteigerung. Bereits heute nutzen unter anderem Personio, Vattenfall und die Raiffeisen Bank International die Plattform.

Breathwork statt klassische Wellbeing-App

Der Markt für Employee Wellbeing ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Viele Angebote kämpfen allerdings mit geringer Nutzung im Arbeitsalltag. Genau hier setzt Regulate an: Statt allgemeiner Meditations- oder Achtsamkeitsangebote will das Startup konkrete Atemübungen situationsabhängig in den Arbeitsalltag integrieren.

Die Plattform schlägt beispielsweise Fokus-Übungen vor wichtigen Meetings, Regenerations-Sessions nach belastenden Gesprächen oder gemeinsame Team-Übungen vor Workshops vor. Die Inhalte sind in Wearables und bestehende Arbeitssysteme integriert.

Peter van Woerkum, Mitgründer und CEO von Regulate, sagt:

„Breathwork wirkt sofort, ist überall anwendbar und baut langfristig Resilienz auf. Genau das brauchen Menschen heute: ein Werkzeug, das wirklich Teil des Arbeitsalltags wird, keine Wellness-App, die ungenutzt im Personal-Portal verstaubt.“

Nach Angaben des Unternehmens wurden seit dem Launch innerhalb von weniger als zwölf Monaten bereits mehr als 50.000 Sessions absolviert.

Personio-CEO Hanno Renner investiert in Regulate

Angeführt wird die Seed-Runde vom niederländischen Impact-Investor 4impact.vc. Zusätzlich beteiligen sich mehrere prominente Business Angels aus dem deutschsprachigen Startup-Ökosystem:

  • Hanno Renner (Mitgründer & CEO von Personio)
  • Mike Wax (Mitgründer von Forto, Partner bei Blueyard)
  • Marlena Hien (Mitgründerin von Bears with Benefits)

Für Regulate dürfte insbesondere die Beteiligung von Personio-Gründer Hanno Renner strategisch relevant sein. Personio zählt bereits zu den Unternehmenskunden des Münchner Startups.

Hanno Renner sagt:

„Was mich überzeugt hat, ist die wissenschaftliche Grundlage. Breathwork wirkt sich nachweislich positiv auf Entscheidungsfähigkeit, Stressresistenz und das persönliche Wohlbefinden aus. Deshalb habe ich Regulate bei Personio eingeführt, weil ich weiß, dass es funktioniert.“

Regulate adressiert wachsenden Druck auf Unternehmen

Der Zeitpunkt der Finanzierung ist kein Zufall. Unternehmen stehen derzeit unter wachsendem Druck durch wirtschaftliche Unsicherheit, geopolitische Krisen und die zunehmende Integration von KI in Arbeitsprozesse.

Regulate argumentiert, dass klassische Wellbeing-Angebote diesen Anforderungen häufig nicht gerecht werden. Stattdessen rücken Resilienz, Konzentrationsfähigkeit und Stressregulation stärker in den Fokus.

Laut Gallup fühlt sich weltweit nur etwa ein Drittel der Beschäftigten engagiert bei der Arbeit. Die Weltgesundheitsorganisation beziffert die wirtschaftlichen Folgen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz auf rund eine Billion US-Dollar jährlich.

Gleichzeitig verschärfen regulatorische Entwicklungen wie die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) die Anforderungen an Unternehmen im Bereich Mitarbeitergesundheit und Organisationsentwicklung.

Wissenschaftlicher Ansatz mit Fokus auf Leistungsfähigkeit

Regulate positioniert Breathwork ausdrücklich nicht als Wellness-Produkt, sondern als Performance-Instrument. Die Übungen wurden gemeinsam mit Prof. Dr. Hottenrott von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg entwickelt, einem Experten für Herzratenvariabilität und Leistungsoptimierung.

Nach Unternehmensangaben basieren die Inhalte zudem auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Harvard Medical School und Stanford Medicine.

Die App umfasst mehr als 60 Atemprotokolle mit Laufzeiten zwischen 90 Sekunden und 60 Minuten.

Für HR- und Führungsteams bietet Regulate zudem aggregierte Nutzungs- und Wirkungsanalysen auf Teamebene, laut Unternehmen datenschutzkonform und ohne Einblick in individuelle Daten. Damit wolle sich die Plattform stärker als strategisches Instrument für Organisationsentwicklung positionieren.

Ulrike Potocki, Head of People Development & Learning bei der Raiffeisen Bank International, sagt:

„Wir arbeiten seit 2023 mit Peter van Woerkum zusammen und haben Breathwork als praktisches Selbstführungsinstrument in unserer Organisation verankert. Seit 2025 skalieren wir das über die Regulate App in unserem Unternehmen, mit dem klaren Ansatz, die Resilienz, Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden im Team flächendeckend zu stärken.“

ARR-Potenzial von über neun Millionen Euro

Neben den Nutzungszahlen verweist Regulate auch auf eine wachsende Enterprise-Pipeline. Diese entspreche aktuell einem ARR-Potenzial von über neun Millionen Euro.

Das frische Kapital soll vor allem in drei Bereiche fließen: Weiterentwicklung der Plattform, Ausbau von Live-Angeboten und Expansion in weitere europäische Märkte.

Derzeit ist Regulate bereits in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Portugal aktiv.

Victor Straatman, Partner bei 4impact.vc, erklärt:

„Wir investieren dort, wo wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftlicher Nutzen zusammenfallen. Regulate verbessert nachweislich, wie Menschen unter Druck arbeiten, und wie es ihnen dabei geht. Die Nutzerdaten zeigen, dass der Markt genau das gerade sucht.“

Markt für betriebliches Stressmanagement wächst weiter

Der globale Markt für betriebliches Stressmanagement lag 2023 laut Unternehmensangaben bei rund 10,6 Milliarden US-Dollar und wächst jährlich um 7,7 Prozent. Den größten Anteil mache dabei Resilienztraining aus.

Für Regulate entsteht damit ein Marktumfeld, in dem Unternehmen zunehmend nach messbaren Lösungen für mentale Belastbarkeit und Produktivität suchen — insbesondere im Kontext KI-getriebener Arbeitswelten.

Mit der prominenten Investorenrunde und ersten Großkunden positioniert sich das Münchner Startup frühzeitig in einem Segment, das sich derzeit von klassischen Wellbeing-Angeboten hin zu datengetriebenen Performance- und Resilienzlösungen entwickelt.

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Kyrill Ring

Kyrill Ring hat 15 Jahre lang als Live-Reporter fürs Fernsehen gearbeitet und ist seit Juli 2025 als Brand & Communications Manager bei Munich Startup tätig. Hier verantwortet er neben seiner Arbeit als Redakteur für die Webseite neue Formate wie den Videopodcast Pitch&People.

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