Europa entwickelt sich zum globalen Zentrum für Circular-Economy-Startups. Die neue Startup-Landkarte von Circular Republic, der Circular-Economy-Initiative von UnternehmerTUM, verdeutlicht einen strategischen Wandel. Kreislaufwirtschaft wird zunehmend nicht mehr primär als Nachhaltigkeitsthema verstanden, sondern als industriepolitischer Hebel für Europas wirtschaftliche Resilienz.
Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen, fragiler Lieferketten und steigender Rohstoffpreise gewinnt insbesondere die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe an Bedeutung. Europa ist bei Seltenen Erden, die unter anderem in Windkraftanlagen, Robotik oder Elektromotoren eingesetzt werden, bislang massiv von Importen abhängig – bei einzelnen Materialien liegt die Abhängigkeit von China laut Circular Republic bei bis zu 95 Prozent.
Genau an dieser Stelle entstehen neue Startup-Chancen. Technologien für automatisierte Demontage, KI-gestützte Sortierung und moderne Recyclingverfahren sollen künftig helfen, wertvolle Rohstoffe effizienter zurückzugewinnen und industrielle Kreisläufe wirtschaftlich skalierbar zu machen.
Deutschland, Großbritannien und Frankreich führen Europas Circular-Economy-Szene an
Mit rund 2.800 identifizierten Startups bleibt Europa laut der Analyse ein globaler Hotspot für zirkuläre Geschäftsmodelle. Besonders viele Unternehmen entstehen weiterhin in Deutschland, Großbritannien und Frankreich.
Im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße zählen jedoch Estland und Finnland zu den dynamischsten Ökosystemen im Bereich Circular Economy. Die Studie unterstreicht damit, dass sich zirkuläre Innovation zunehmend europaweit verteilt und nicht ausschließlich in den großen Industriestaaten entsteht.
Die Untersuchung gilt laut Circular Republic als bislang größte datenbasierte Analyse europäischer Circular-Economy-Startups. Erfasst wurden neben den Unternehmen auch Finanzierungstrends sowie technologische Schwerpunkte.
Automated Disassembly und Critical Raw Materials Recovery als neue Wachstumsmärkte
Einen besonderen Fokus legt die diesjährige Erhebung auf industrielle Anwendungen. Im Mittelpunkt stehen dabei Technologien zur automatisierten Demontage von Industrieprodukten, KI-gestützte Systeme zur Sortierung von Stoffströmen, die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe sowie robotikbasierte Recyclingprozesse und sogenannte Physical-AI-Anwendungen für industrielle Kreisläufe.
Vor allem die Kombination aus KI und hardwarebasierten Recyclingtechnologien gilt als Zukunftsfeld. Laut der Analyse arbeiten allerdings bislang weniger als fünf Prozent der Circular-Economy-Startups explizit an Lösungen rund um kritische Rohstoffe.
Gleichzeitig beschäftigen sich rund 15 Prozent der europäischen Circular-Economy-Startups mit Recyclingtechnologien zur Schließung von Materialkreisläufen.
Leonhard Teichert ist der Programmleiter bei Circular Republic und sagt dazu:
„Die wenigen Unternehmen, die es an der Schnittstelle zwischen Kreislaufwirtschaft und KI gibt, sind allerdings die absoluten Spitzenreiter.“
Europa sieht Chance auf technologische Führungsrolle
Für Circular Republic liegt genau darin eine strategische Gelegenheit für den europäischen Industriestandort. Während Europa in Bereichen wie Internetplattformen, Solarindustrie oder Elektromobilität Marktanteile an die USA und China verloren habe, könne bei Recycling- und Zerlegetechnologien nun eine neue industrielle Führungsrolle entstehen.
Matthias Ballweg, Co-Founder von Circular Republic, erklärt:
„Doch jetzt haben wir bei der Zerlege- und Recyclingtechnologie eine neue Chance, es besser zu machen und diesmal die Marktführerschaft aus Europa heraus zu sichern.“
Die Studie warnt allerdings gleichzeitig davor, dass Europa seinen aktuellen Vorsprung ohne konsequente Industrialisierung und Skalierung wieder verlieren könnte.
Die europäische Startup-Landkarte für den Bereich Circular Economy findet ihr hier.
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