Munich Startup: Für welches Problem bietet ihr eine Lösung?
Victor Dzhagatspanyan, Co-Founder & Geschäftsführer: Bevor ein Elektrobetrieb ein Pauschalangebot abgeben kann, muss er aus den Planunterlagen Mengen ermitteln – Steckdosen, Schalter, Leitungsmeter. In der Praxis kostet das mehrere Tage bis zu einer ganzen Woche manueller Arbeit. In vielen Betrieben gibt es gar kein Kalkulationsteam mehr, also zählen Niederlassungsleiter abends selbst Steckdosen auf Grundrissen, statt ihre Mannschaft zu führen. Wir machen aus Wochen Stunden – PDF hochladen, fertige Mengenliste raus.
Warum Elektrobetriebe ihre Kalkulation neu denken müssen
Munich Startup: Was könnt nur ihr Stand heute?
Victor Dzhagatspanyan: Wir arbeiten mit dem, was tatsächlich in den Betrieben ankommt: PDF-Pläne in jeder denkbaren Qualität. Klassische CAD-basierte Lösungen brauchen DWG-Dateien, die bei Angebotsanfragen meistens gar nicht vorliegen. Dazu sind wir herstellerunabhängig und liefern in die Formate, die Betriebe ohnehin nutzen – Excel, GAEB, ERP-Systeme wie PDS. Wir greifen nicht in die Preisgestaltung ein. Was rein technisch klingt, ist in der Praxis der entscheidende Punkt: Wir sind keine Insel-Software, sondern wir beschleunigen den Prozess, der ohnehin läuft.
Von der Baustellen-Drohne zur KI für PDF-Pläne
Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung?
Victor Dzhagatspanyan: Ein Mittwochabend in München, ein Praktikumssetup für autonomes Fahren bei Mercedes – und ein zufälliges Baustellenvideo. Mein Mitgründer Ashot hatte die 3D-Visualisierung aus seinem Mercedes-Praktikum aus reiner Neugier auf eine Aufnahme angewendet, die er von der Baustelle seines Vaters in Armenien hatte. Sein Vater leitet seit Jahrzehnten Rohbau-Projekte, und in genau diesem Moment war klar: Genau das ist sein tägliches Problem. Wir haben dann gemeinsam mit einer Drohne angefangen zu testen – die Technologie war am Ende nicht die richtige Lösung, aber die Branche hat uns nicht mehr losgelassen.
Munich Startup: Gab es einen Moment, in dem ihr ans Aufgeben gedacht habt?
Victor Dzhagatspanyan: Nicht ans Aufgeben, aber an „alles wegwerfen und neu denken“ – ja. Nach Monaten Drohnenarbeit haben wir gemerkt, dass wir das Problem an der falschen Stelle angepackt hatten. Wir wollten Mengen auf der laufenden Baustelle messen, dabei liegt der eigentliche Schmerz viel früher, in der Angebotsphase. Bevor überhaupt jemand auf der Baustelle steht, müssen Betriebe aus Plänen tagelang Mengen herausziehen. Wir haben dann beides gewechselt: das Werkzeug – von der Drohne zur KI-Analyse von PDF-Plänen – und die Branche, vom Rohbau zum Elektrohandwerk, wo der Schmerz am klarsten greifbar war. Hart, weil viel Energie in den ersten Ansatz geflossen war. Im Nachhinein die wichtigste Entscheidung der Firmengeschichte.
Wie Monco.ai bestehende Prozesse beschleunigt
Munich Startup: Woran würdet ihr in einem Jahr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?
Victor Dzhagatspanyan: Drei Indikatoren: deutlich mehr zahlende Kunden im DACH-Raum als heute, der erste produktive Pilot in einem zweiten Gewerk – wahrscheinlich HKLS – und Kunden, die uns nicht mehr fragen, ob die KI funktioniert, sondern wann das nächste Feature kommt. Letzteres ist eigentlich das Wichtigste. Wenn das Vertrauen einmal da ist, hat man eine andere Konversation mit der Branche.
Munich Startup: Würdet ihr wieder in München gründen und warum?
Victor Dzhagatspanyan: Sofort. Wir drei sind aus Armenien an die TUM gekommen, ohne uns vorher abzusprechen und haben uns hier zufällig wiedergetroffen. Allein das sagt viel über München aus: eine Stadt, in der Talent aus aller Welt landet. Dazu kommt die Nähe zur Industrie, die wir adressieren – ohne diese Nähe würden wir die Branche nicht so verstehen, wie wir sie heute verstehen. Und ehrlich gesagt: Nach mittlerweile vielen Jahren ist München für uns längst zweite Heimat.
Munich Startup: Perfektion oder Geschwindigkeit?
Victor Dzhagatspanyan: Geschwindigkeit – mit einer Ausnahme: Wenn unsere KI Mengen für ein Pauschalangebot ermittelt, hängt davon der Gewinn oder Verlust eines Projekts ab. An dieser Stelle ist Präzision keine Option, sondern Pflicht. Überall sonst gilt: lieber heute lernen als morgen perfekt sein.