Waldbrände gelten weltweit als immer bedrohlichere Gefahr für Mensch und Natur. Doch vielleicht kommt die passende Lösung aus dem hiesigen Ökosystem. Das „Hellenic Fire System“ stammt vom Münchner Spacetech-Startup Ororatech und ist nun in Griechenland gestartet. Es ist das weltweit erste nationale Satellitensystem, das ausschließlich für die Erkennung und Verfolgung von Waldbränden konzipiert wurde.
Das Besondere an diesem System ist, dass es nicht nur Satellitendaten sammelt, sondern diese gleich direkt in staatliche Notfallstrukturen einspeist. Griechenland erhält damit ein eigenes, nationales Frühwarnsystem, das Hotspots bis zu einer Größe von vier mal vier Metern erkennen und Feuerwehren innerhalb weniger Minuten mit verwertbaren Informationen versorgen soll.
Münchner Spacetech als Infrastrukturpartner für Klimarisiken
Ororatech positioniert sich mit dem Projekt nicht nur als Anbieter von Erdbeobachtungsdaten, sondern als Betreiber kritischer Infrastruktur für Klimaresilienz. Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat gemeinsam mit Ororatech das System für das griechische Ministerium für Digitale Governance und Künstliche Intelligenz sowie dem Hellenic Space Center entwickelt.
Die vier Satelliten wurden mit SpaceX von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien gestartet. Sie sind mit thermischen Infrarotkameras ausgestattet und werden durch eine Bodenstation in Griechenland sowie Ororatechs „Wildfire Solution“-Plattform ergänzt.
Hellenic Fire System erkennt Hotspots ab vier mal vier Metern
Das System soll kontinuierliche Echtzeitinformationen für das gesamte griechische Staatsgebiet liefern. Die Daten werden direkt an die griechischen Feuerwehren übermittelt, wodurch Brände schneller erkannt und Einsatzkräfte gezielter koordiniert werden können.
„Dies ist ein entscheidender Moment, nicht nur für Griechenland, sondern auch für die Art und Weise des künftigen Waldbrandmanagements weltweit“,
so Martin Langer, CEO von Ororatech, und ergänzt weiter:
„Zum ersten Mal wird ein ganzes Land durch eine eigene Satellitenkonstellation geschützt, die dafür entwickelt wurde, Waldbrände in Echtzeit zu erkennen und zu verfolgen. Dies ist ein Modell dafür, wie Nationen Weltraumtechnologie nutzen können, um ihre Bevölkerung, Ökosysteme und Volkswirtschaften zu schützen.“
Griechenland investierte 20 Millionen Euro in das Satellitensystem
Bereits 2024 hatte Griechenland angekündigt, 20 Millionen Euro in das nationale satellitengestützte Waldbrand-Frühwarnsystem mit OroraTech-Technologie zu investieren. Das Projekt läuft über einen ESA-Vertrag im Rahmen des griechischen nationalen Satellitenraumfahrtprogramms und ist Teil des Aufbau- und Resilienzplans „Greece 2.0“.
Für Griechenland ist das System strategisch relevant, denn das Land zählt regelmäßig zu den besonders stark von Waldbränden betroffenen Regionen Europas. 2025 war laut Joint Research Centre der EU die zerstörerischste Waldbrandsaison in der EU seit Beginn der Aufzeichnungen.
Von Erdbeobachtung zu operativer Brandbekämpfung
Klassische Satellitenbilder helfen häufig bei der nachträglichen Analyse von Bränden. Das „Hellenic Fire System“ zielt dagegen auf operative Entscheidungen während laufender Einsätze: Wo entsteht ein Brand? Wie breitet er sich aus? Welche Ressourcen werden wo benötigt?
Simonetta Cheli, Direktorin für Erdbeobachtungsprogramme bei der Europäischen Weltraumorganisation, merkt an:
„Die Inbetriebnahme des Systems zeigt, wie europäische Zusammenarbeit greifbare Ergebnisse für die Bürgerinnen und Bürger erzielen kann. Durch die Kombination fortschrittlicher Weltraumtechnologien mit operativen Diensten vor Ort ermöglichen wir schnellere und fundiertere Reaktionen auf Naturkatastrophen und stärken Europas Führungsrolle in der Erdbeobachtung.“
Auch in anderen Ländern, wie Kolumbien und Patagonien sind die Satellitensysteme von Ororatech bereits im Einsatz.